Projektreportage Herz Jesu in Bochum-Werne

 

 

„Gemeinsam auf dem Weg“
Gemeindecaritas: Feste Einrichtung in Bochum-Werne

 

Die katholische Pfarrgemeinde Herz Jesu in Bochum-Werne ist eine Kirchengemeinde wie viele andere auch. Eine recht große Gemeinde, zu der rund  5500 Seelen zählen. Eine aktive Gemeinde mit zahlreichen Verbänden und Musikgruppen. Eine Gemeinde, die sich gerne und oft gesellig gibt.

 

 

Blickt man allerdings auf den Stadtteil, in dessen Zentrum die Kirchengemeinde liegt, ergibt sich ein anderes Bild. Zwar wäre es übertrieben, Bochum-Werne als Problem-Viertel zu bezeichnen, doch besonders gut ist es um den östlichen Randbezirk Bochums nicht gestellt. Der städtische Sozialbericht aus dem Jahr 2004 macht das deutlich: Während der Bochumer Osten an sich eher durchschnittliche Werte aufweist, schneidet Bochum-Werne vergleichsweise schlecht ab. Hier seien die benachteiligten Gruppen überrepräsentiert, so der nüchterne Fachjargon der Statistiker. Vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche sind auf Sozialhilfe angewiesen, und auch der Anteil ausländischer Mitbürger fällt relativ hoch aus.

 

Schön reden hilft da nicht viel. Das hat auch die Kirchengemeinde Herz Jesu erkannt und vor drei Jahren mit Unterstützung des Bochumer Caritasverbands eine Gruppe engagierter Frauen und Männer zusammengebracht, die sich für benachteiligte Mitmenschen in ihrer Gemeinde und im Stadtteil einsetzen. Frei nach Erich Kästner und seinem Sinnspruch „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ haben die Ehrenamtlichen des „Caritas-Kreis Herz Jesu“ seitdem einiges in Bewegung gesetzt. Als Kirche vor Ort sind sie Ansprechpartner für Menschen, die nicht mehr weiter wissen und Hilfe brauchen. Und davon gibt es viele: Die Seniorin, die alleine nicht zurecht kommt. Die mehrköpfige Familie, die von Sozialhilfe lebt. Die verzweifelte junge Frau, deren Mann sich vor ein paar Tagen umgebracht hat. Die Flüchtlinge aus dem benachbarten Übergangswohnheim, denen nach über 15 Jahren in Deutschland die Abschiebung droht. Die aus der Haft entlassene Frau, die Winterbekleidung benötigt.

 

Damit die Menschen den Weg zur Kirchengemeinde Herz Jesu und zum Caritas-Kreis finden, beschreiten die Ehrenamtlichen ungewohnte Wege. Neben einer offenen Sprechstunde, die an jedem ersten Sonntag und jedem dritten Dienstag im Monat stattfindet, hat die Gruppe ein Handy angeschafft, das im Notfall angerufen werden kann. Durch Veröffentlichungen in den Pfarrnachrichten und über Informationsbroschüren, die im Stadtteil ausliegen, ist die Telefonnummer mittlerweile in Bochum-Werne bekannt und wird gut angenommen. Das Handy geht im Caritas-Kreis reihum – im 14-tägigen Wechsel ist jeweils einer der Ehrenamtlichen für den Telefondienst zuständig und nimmt die Anrufe entgegen.

 

Auch sonst sind die Helferinnen und Helfer regelmäßig im Einsatz, zum Beispiel jeden Mittwoch Vormittag im Altenheim und anschließend bei der Lebensmittel-Ausgabe der Wattenscheider Tafel im ehemaligen Büchereiraum der Pfarrgemeinde. In der vom Caritas-Kreis initiierten Tausch- und Freiwilligenbörse werden Möbel und andere Gebrauchsgegenstände, die von Gemeindemitgliedern gespendet werden, an benachteiligte Familien weitervermittelt. Und wenn zum Beispiel eine ältere Dame einen Freiwilligen sucht, der ihr ab und zu etwas vorliest, dann wird auch dieses Gesuch in der Börse veröffentlicht. Auf diese Weise ist schon so manches Gemeindemitglied zum aktiven Caritas-Helfer geworden.

 

„Gemeinsam auf dem Weg zur diakonischen Gemeinde“ – in Bochum-Werne ist das Motto des Caritas-Grunddienstes „Gemeindecaritas“ Wirklichkeit geworden. „Diakonische Kirche“ als Ort, der Menschen anzieht und sie aufnimmt. „Gemeinsam auf dem Weg“ als Kooperation von verbandlicher Caritas, Pfarrgemeinde, Pastoral und engagierten Gemeindemitgliedern. In Herz Jesu funktioniert das Zusammenspiel: Vor drei Jahren hat der Pfarrgemeinderat den Caritasverband für Bochum e. V. und seinen Fachdienst Gemeindecaritas um Hilfe gebeten. Eine Caritas-Mitarbeiterin hat die Gemeinde seitdem beraten, geschult und begleitet. Der Pfarrer hat den Caritas-Kreis von Beginn an unterstützt und ihm die nötigen finanziellen und räumlichen Mittel zur Verfügung gestellt. Der Diakon der Gemeinde steht den Ehrenamtlichen als Seelsorger und aktiver Helfer zur Seite. Die Gemeinde selbst hilft mit Geld-, Zeit- und Sachspenden. Der Stadtteil und die evangelische Nachbargemeinde machen einfach mit.

 

Auch Sie können sich ehrenamtlich/freiwillig engagieren:

 

zum Projekt "Sozial-Sprechstunde"